Gemeinsam für ein besseres Image arbeiten

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Das Ostviertel – starker Stadtteil mit vielen Ressourcen.

Zahlreiche Geschäftsleute, Vertreter von Institutionen, aber auch einige Jugendliche und interessierte Anwohnerinnen und Anwohner folgten am Montag der Einladung der GRÜNEN zum Stadtteil-Gespräch in die Nadelfabrik. Sie alle diskutierten lebhaft über die aktuelle Situation des Viertels und darüber, wie die Entwicklung weitergehen und eine positive Kehrtwende geschafft werden könne.

„Die Meldungen der letzten Wochen haben mich bedrückt und unruhig gemacht“, sagte die grüne Bürgermeisterin Hilde Scheidt zum Auftakt der Veranstaltung, die etwa 50 Gäste besuchten. „Ich möchte nicht, dass ein ganzes Viertel kriminalisiert wird.“ Daher erhoffe sie sich von der Diskussion, dass auch über positive Seiten berichtet würde und darüber, wie man diese weiter stärken könne.

Dass zunächst einiger Dampf abgelassen werden musste, war verständlich und erwartet. Die Haltung von Polizei und Presse zum Viertel wurde kritisch hinterfragt, thematisiert wurde auch mangelndes städtisches Engagement, etwa in Sachen Straßenreinigung oder Kontrollen durch das Ordnungsamt.

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Schnell folgte dann aber eine lebendige Diskussion über die Stärken des Viertels. Unter den konstruktiven Vorschlägen waren die Forderung nach besserer Vernetzung, Ordnungspatenschaften sowie finanziellen Zuwendungen, um die Stadtteilentwicklung weiter ausbauen zu können. Dazu gehören auch Bepflanzung und die Instandhaltung von Straßenzügen wie der Elsassstraße, die zum Teil sehr schlecht passierbar ist.

Die Anwesenden waren sich einig: „Wir lassen uns das Viertel nicht kaputt machen, das schlechte Bild muss wieder gerade gerückt werden. Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, zu einem besseren Image zu gelangen.“ Da ist zum einen das Zusammenspiel zwischen Politik, Behörden und Institutionen gefragt, zum anderen aber auch persönliche Integrität, verantwortungsbewusstes Handeln und Mut, so die Aussage vieler Wortmeldungen. Indem man Vorbilder für die Jugend schaffe, etwa über den Weg der Ausbildungspartnerschaften, stärke man deren Identität und könne ein Abgleiten in die Kriminalität verhindern.

„Die Angebote für Jugendliche müssen stetig weiter ausgebaut werden“, so Hilde Scheidt und fügte hinzu: „Das passiert auch bereits, etwa mit dem Ausbau der OT Talstraße. Auch die neue Moschee wird ein Angebot für Jugendarbeit haben, und zudem gibt es einige bereits einige gut funktionierende Begegnungszentren.“ Gut angenommen und für lebendiges Miteinander würden laut einer Teilnehmerin etwa der neue große Spielplatz und das Basketballfeld sorgen.

Besonders problematisch im Viertel: Das Thema Drogenmissbrauch – hier wurde noch einmal deutlich gemacht, dass es nicht nur ein Jugendthema ist, sondern auch viele Erwachsene mit massiven Suchtproblemen das Bild prägen. Polizei und Ordnungsamt müssten mehr Präsenz zu zeigen und somit für ein besseres Sicherheitsgefühl sorgen.

Ein zweites, sehr neues Phänomen sei die Unterwanderung des Stadtteils durch fremde Gangs: „Wir beobachten mit allergrößter Sorge, dass Banden aus dem Umfeld des Rockermilieus versuchen, in Aachen Fuß zu fassen“, berichtete ein Kenner der Szene. „Hier muss intensive Prävention von Seiten der Polizei stattfinden.“ Hilde Scheidt bat eindringlich: „Wenn Sie Informationen über solche Aktivitäten haben, geben Sie diese bitte immer an die Polizei weiter! Nur so kann die Aufmerksamkeit geschärft werden.“

„Wir dürfen kein Platzhirschverhalten dulden“, hieß es an diesem Punkt mehrfach aus dem Publikum. Mehrere Wortbeiträge betonten, dass es auch viele sehr schöne Begegnungen gäbe, etwa beim gemeinsamen St.-Martin-Fest der drei Kitas, bei denen viel Geschwisterlichkeit zu spüren gewesen sei. Die vielen muslimischen Eltern seien bei diesen Festen immer sehr aktiv und engagiert. „Hier herrscht kein Bürgerkrieg und so etwas wird es hier auch nicht geben.“

Durch die Diskussion des Abends führte souverän Burhan Cetinkaya, der als Stadtteilmanager arbeitet und über viel Erfahrung mit dem Thema Integration verfügt. Er resümierte: „Aachen-Ost ist ein typisches Arbeiterviertel mit sehr vielen Ressourcen, die es zu nutzen gilt. Meine Frage ist: Wie geht es hier nach zehn Jahren Stadtteilentwicklung weiter, welche Aufgaben und Gestaltungsmöglichkeiten gibt es für Bewohner, auch im Miteinander mit Institutionen, Behörden, Politik.“

Viele Gäste betonten zum Abschluss, dass sie froh gewesen seien über diese Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen, und sich weitere Initiativen wünschen. Trotz allem lebe es sich gut im Viertel, das besser als sein Ruf sei.

Hilde Scheidt beendete den Abend mit einem Ausblick: „Was ich aus diesem Termin konkret mitnehme und anregen werde, ist: Ordnungspartnerschaften wieder aktivieren. Mehr Jugendarbeit, Umbau Elsassstraße neu diskutieren, über Weihnachtsbeleuchtung und über Verschönerungsmaßnahmen (z.B. mehr Bepflanzung) nachdenken. Ganz ohne finanzielle Hilfe für den Stadtteil geht es nicht, denn was in zehn Jahren Stadtteilentwicklung erreicht wurde, muss weiter ausgebaut werden. Die vielen unterschiedlichen Gruppen und Akteure im Stadtteil sollten gemeinsam handeln, sie müssen unterstützt und besser vernetzt werden.“

 

„Wir in Aachen-Ost“ – Gesprächsrunde 02.12.2013

Nadelfabrik, P1020490

Die Grünen in Aachen laden ein zu einer offenen Gesprächsrunde

„Wir in Aachen Ost“

02. Dezember 2013  – 18 Uhr

in der Nadelfabrik

Ihre Gesprächspartner:
Hilde Scheidt, Bürgermeisterin Stadt Aachen
Ulla Griepentrog, Fraktionssprecherin der Grünen
Burhan Cetinkaya, Moderation

Das Miteinander in Aachen-Ost, dem Stadtviertel zwischen Elsassstraße und Hüttenstraße, möchten wir herausstellen und mit Ihnen, den Menschen die dort wohnen, leben und auch denen, die dort arbeiten, ins Gespräch kommen.

Wie sieht der Alltag im Zusammenleben so vieler Kulturen aus? Was hat sich in den letzten 10 Jahren verändert? Wie soll das Zusammenleben in Aachen-Ost besser gestaltet werden?

In der Gesprächsrunde geht es uns um das Leben und den Alltag im Ostviertel, welches geprägt ist von den vielen unterschiedlichen Nationen und Kulturen. Unser Ziel ist es mit den Anwohnern weitere Impulse für diesen Lebensbereich erarbeiten. Schildern Sie uns die positiven Strukturen und lassen Sie uns wissen, wie es noch besser werden kann.

Wir wünschen uns eine große Runde und möchten daher auch diejenigen, die mit den Bewohnern dieses Viertels über ihre soziale oder kirchliche Arbeit eng verbunden sind, einbeziehen und herzlich einladen. In der Anlage erhalten Sie einige Flyer zur Veranstaltung und wir bitten Sie, diese auszulegen bzw. weiterzugeben an Interessierte.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Flüchtlingstragödie vor Lampedusa

 

Mitgliedsstaaten müssen Blockade gegen bessere Rettung von Flüchtlingen endlich aufgeben.

Zum Tod von mindestens 82 Flüchtlingen vor Lampedusa sagt Ska Keller, migrationspolitische Sprecherin der GRÜNEN im Europaparlament:

„Die EU-Mitgliedsstaaten müssen endlich ihre Blockade gegen eine verbesserte Rettung von Flüchtlingen in Seenot aufgeben. Solche Katastrophen sind schrecklich und dürfen sich nicht immer und immer wieder wiederholen.

Wir GRÜNEN wollten mit einer Mehrheit im Europaparlament durchsetzen, dass die EU mit dem neuen Grenzüberwachungssystem Eurosur die Rettung von Flüchtlingen aus Seenot verbessert. Aber die Mitgliedsstaaten haben das abgeblockt. Sie wollen Küstenpatrouillen und die Überwachung des Mittelmeers mit Satelliten und anderen Überwachungstechnologien gegen irreguläre Migration verschärfen. Aber sie tun nichts, um Flüchtlinge besser zu retten.

Bei den neuen Regeln für Fronteinsätze auf See, die derzeit in Parlament und Rat beraten werden, drängen die Mitgliedsstaaten erneut auf weniger Seenotrettung. Für uns GRÜNE ist das unhaltbar. Wir werden alles dafür tun, damit sich die Mitgliedsstaaten nicht durchsetzen. Sie müssen den Tragödien, die sich von den europäischen Küsten abspielen, endlich ein Ende bereiten.“

Aachens grüne Bürgermeisterin Hilde Scheidt ergänzt: „Die Zahl der Flüchtlinge wird nicht sinken, im Gegenteil. Wir müssen Strategien weiterentwickeln, die nicht einfach auf Blockade zielen, sondern nachhaltig helfen.“

Scheidt weist auf die besonders problematische Situation minderjähriger Flüchtlinge in Aachen hin: „Allein in den letzten beiden Jahren sind knapp 400 minderjährige Flüchtlinge in Aachen aufgegriffen worden, die völlig allein unterwegs waren. Sie müssen untergebracht und betreut werden, viele dieser Kinder und Jugendliche sind traumatisiert und brauchen intensive Hilfe.“

Weitere Informationen zu Flüchtlingen in Seenot finden sich hier.

Claudia Roth in Aachen

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Auf Einladung der Aachener GRÜNEN sprach die Bundesvorsitzende Claudia Roth am vergangenen Mittwoch im Welthaus an der Schanz mit Vertretern der örtlichen NGOs über die Möglichkeiten einer aktiven Flüchtlings- und Asylpolitik. Im Mittelpunkt stand die Kampagne „save me“ – unterstützt von kirchlichen Gruppen, Amnesty International und vielen Einzelpersonen, die den Flüchtlingen in Aachen eine neue Heimat bieten.

Die Zeit vor der Bundestagswahl wolle sie nutzen, wichtige Themen der Menschenrechte stärker ins Bewusstsein zu heben. Meine Forderung, dass das Projekt Resettlement auf EU-Ebene über 2014 hinaus verlängert wird, konnte ich Claudia Roth mitgeben. Die positiven Erfahrungen in Aachen mit Resettlement zeigen den Erfolg des Projektes.

Aus aktuellem Anlass nahm Claudia Roth auch zu den schrecklichen Giftgas-Angriffen auf die Zivilbevölkerung in Syrien Stellung. Die erschütternden Nachrichten über die unmenschlichen Massaker dürften nicht unbeantwortet bleiben. Aber die Antwort dürfe sich nicht auf militärische Intervention fokussieren. Das Gerede von der „Alternativ-Losigkeit“ von militärischen Angriffen sei empörend. „Wir müssen da rein gehen“ helfe nicht weiter. Nichts dürfe ohne ein UN-Mandat unternommen werden. Auf politischem Wege müsse das Assad-Regime isoliert werden. Die jeweils unterschiedlichen Geostrategischen Interessen der Weltmächte verhinderten aber einfache Lösungen. Umso mehr müsse Deutschland einen größeren humanitären Beitrag leisten, um die Opfer der kriegerischen Auseinandersetzungen aufzunehmen und ihnen eine neue Perspektive zu bieten.

Claudia Roth zeigte sich beeindruckt, dass es in Aachen eine entwickelte Tradition der Hilfsbereitschaft gibt. „Die Welt kommt nach Aachen“ zitierte Roth den Aachener Bischof, der einmal die Weltoffenheit und Hilfsbereitschaft auf den Punkt gebracht hatte. Mit einem einstimmigen Beschluss des Stadtrates hat die Stadt Aachen über die Pflicht zur Aufnahme von Flüchtlingen („Kontingent“) hinaus die Aufnahme einer weiteren Zahl von Flüchtlingen ermöglicht, um den geflohenen Menschen aus Krisen- und Kriegsgebieten ein Leben ohne Armut und Verfolgung zu ermöglichen. Ich berichtete von den erfolgreichen Schritten zur Integration in Aachen. „Fremdenfeindlichkeit gibt es vereinzelt auch in unserer Stadt, aber wir haben gezeigt, dass man erfolgreich dagegen halten kann“. Mit großer Wachsamkeit und Geschlossenheit haben vor kurzem bei einem gut besuchten, bunten Fest viele Eilendorfer die Aufnahme von Flüchtlingen in ihrem Stadtteil ermöglicht. In Aachen soll Fremdenfeindlichkeit keine Chance haben. Unterbringung in geeigneten Wohnungen, Hilfe bei alltäglichen Problemen, Arbeitsplatzsuche und Aufnahme der Kinder in den Schulen fördere die Integration und sei hilfreich gegen Ausgrenzung.